Wenn beim Clickertraining der Hund die Initiative hat, was ist dann mit der Dominanz?

„Dominanz“ ist wohl eines der am häufigsten missverstandenen und missbrauchten Begriffe im Zusammenhang mit Hunden (wie übrigens – leider – auch bei Pferden). Nicht selten wird es sofort mit „Dominanzproblem“ betitelt, wenn der Hund „ungehorsam“ ist, was sich bei näherer Betrachtung allerdings sehr häufig als mangelnde Kommunikation oder auch schlicht als ungenügendes Training herausstellt. Sogar Hunde, die offensichtlich Angst vor bestimmten Personen haben und diese beispielsweise anbellen oder nach ihnen schnappen, wenn sie sich bedrängt fühlen, werden von manchen „Experten“ als dominant bezeichnet. Als Therapie wird den Rat suchenden Hundehaltern dann auch häufig ein von Gewalt geprägtes „Unterordnungstraining“ empfohlen, um dem angeblich aufmüpfigen Vierbeiner (der in Wirklichkeit nur verzweifelt versucht, sich die Furcht einflößenden Fremden vom Leib zu halten) „zu zeigen, wer der Herr ist“. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass solche Probleme sich durch derlei „Therapien“ meist deutlich verschlimmern…

Im Zusammenhang mit dem Clickertraining taucht gelegentlich auch einmal die Frage nach der Dominanz auf. Wenn es aus Gründen der „Rangfolge“ so ist, dass der Mensch die Initiative haben soll, im Clickertraining aber bekanntlich ja gerade der Hund der aktive Partner ist, wird dann nicht der Hund sozusagen „stärker gemacht“ dadurch, dass er die Initiative bekommt?

Die Antwort lautet ganz klar: „Nein“! Bei genauerer Betrachtung erkennt man auch schnell, warum: Erst einmal beginnt ja der Mensch die Trainings-Session (z. B., indem er den Clicker präsentiert). Und, mindestens genau so wichtig: Auch der Clicker und die Leckerchen (oder andere tolle Dinge wie etwa ein gemeinsames Spiel, die nach dem Click folgen können) werden durch den Menschen kontrolliert. Der Hund kann sozusagen „die Initiative haben“ und nur so explodieren vor Aktivität – welche Aktion wir aber von ihm wünschen (und somit „beclicken“), entscheiden immer noch wir! So mancher Hund lernt durch das Clickertraining auch erstmals, den Wünschen oder Signalen seines Besitzers ein gewisses Interesse entgegenzubringen – sind diese doch plötzlich der Schlüssel zum Erfolg (Click und nachfolgende Belohnung)!

Wenn Sie generell ein bisschen mehr über das Thema „Dominanz“ erfahren möchten und was anerkannte Verhaltensforscher dazu zu sagen haben, empfehle ich Ihnen, einen Blick auf die hervorragenden Seiten www.spass-mit-hund.de zu werfen. Hier hat Christina Sondermann viel Wissenswertes zusammengetragen. Das Kapitel über Dominanz finden Sie dort unter der Rubrik „Mehr Wissen“.

 

Ich freue mich, wenn Sie diese Info teilen:
Clickertraining Teil 4: Dominanz durch Clickertraining?

Schreiben Sie einen Kommentar